Intel30.8.2026 · 6 Min. Lesezeit

So liest man eine IPv4-Verfügbarkeitskarte

Alle rund 4,3 Milliarden IPv4-Adressen sind vergeben — Verfügbarkeit bedeutet heute nicht mehr freien, sondern registrierten und stillen Raum. So findet ihn eine dreischichtige Karte.

So liest man eine IPv4-Verfügbarkeitskarte

Verfügbarkeit bedeutete früher freien Raum — heute bedeutet sie Stille

Die freien Pools sind leer. Zwischen 2011 und 2020 gaben die regionalen Registries den letzten nicht zugewiesenen Raum aus; alle rund 4,3 Milliarden IPv4-Adressen sind heute vergeben. Das verändert leise, was eine „Verfügbarkeitskarte" zeigen kann: Es gibt kein grünes Feld unvergebener Adressen mehr zu kartieren. Was noch in Mengen existiert, ist Raum, der zugewiesen, bezahlt und ungenutzt ist. Eine IPv4-Verfügbarkeitskarte ist also keine Karte des Freien, sondern eine Karte der Stille. Sie zu lesen bedeutet, nach Ruhe zu suchen — und ihr nur zu vertrauen, wenn man sie beweisen kann.

Die drei Schichten jeder Karte

Keine einzelne Datenquelle sagt, ob ein Block nutzbar ist. Eine brauchbare Karte stapelt drei unabhängige Schichten: - **Registry-Eintrag** — wem der Block gehört, seit wann, unter welcher Policy. Nur die Eigentumsfrage. - **BGP-Ankündigung** — ob der Block wirklich geroutet wird und von wem. Nicht angekündigter Raum kann brachliegen oder für später gehalten werden. - **Passive Messung** — ob etwas auf normalen Verkehr antwortet: offene Ports, Dienste, DNS, Mailserver. Diese Schicht erkennt Leben. Jede Schicht beantwortet eine andere Frage: Wem gehört er, wird er geroutet, läuft etwas? Eine Schicht allein sagt fast nichts. Zwei übereinstimmende sagen etwas. Drei widersprüchliche sagen am meisten.

Die Widersprüche sind das Signal

Die Kernregel: Übereinstimmung zwischen den Schichten ist Hintergrundrauschen, Widerspruch ist das Signal. - Registriert + angekündigt + antwortend = normale Nutzung. Nichts zu sehen. - Registriert + angekündigt + still = geroutet, aber leer — oder eine Firewall vor allem. - Registriert + nicht angekündigt + still = der Kandidat: existiert in der Registry, niemand kündigt ihn an, nichts antwortet. Das ist die Definition von schlummerndem Raum. Die wertvollsten Zellen jeder Karte sind die letzten — wo die Registry „existiert" sagt und das Netz „hier ist nichts". Genau dieser Widerspruch ist der Rohstoff eines Inventars schlummernden Raums. Und schlummernder Raum ist das stille Angebot des Marktes: Die **RIPE-Region — Europa und die Türkei — trägt weltweit das höchste Transfervolumen**, und vieles davon beginnt als solcher registrierter, aber stiller Raum.

Die Fehlalarme — und wie die Karte sie aussortiert

Stille ist nicht immer Brachliegen. Drei häufige Fehlalarm-Quellen: - **Firewalls.** Ein Block, der nichts beantwortet, kann hinter Filterung voll aktiv sein. Die Karte misst von mehreren Standorten und sucht indirekte Spuren — DNS-Einträge, TLS-Zertifikate, Mailserver-Konfiguration. - **Geografische Filter.** Manche Netze antworten nur auf Verkehr aus bestimmten Ländern; Antworten aus verschiedenen Regionen gegenzuprüfen trennt „geofiltert" von „tot". - **Rein interne Nutzung.** Viele Blöcke hängen hinter NAT und laufen komplett in privaten Netzen. Sie sind echt still, aber nicht verfügbar — Registry-Eintrag und eine direkte Prüfung beim Halter klären das. Ein Block, der alle drei Filter übersteht, ist nicht nur still — er ist nachweisbar still.

Von der Karte zum Inventar zum Angebot

Der Weg von der Karte zum Umsatz ist kurz, aber bewusst: 1. **Karte.** Widerspruchsmenge erzeugen: registriert, nicht angekündigt, still. 2. **Filtern.** Die Fehlalarme entfernen, bis jeder verbliebene Block nachweisbar ruhig ist. 3. **Inventar.** Die Überlebenden ordnen — Größe, Region, Reputation, Routbarkeit — und mit Marktankern bewerten: Ein /24 handelt bei rund **27 US-Dollar pro IP**, Leasing liegt bei etwa **0,40 US-Dollar pro IP und Monat**, die Cloud kostet rund **44 US-Dollar pro Adresse und Jahr**. Daraus wird aus einem stillen Block ein konkreter Bilanzposten. 4. **Ansprechen.** Die meisten Eigentümer schlummernden Raums haben ihn nie als Vermögenswert betrachtet; ein Gespräch mit dem Inventar in der Hand reicht meist. 5. **Angebot.** Leasen für stetigen Ertrag oder verkaufen per registry-genehmigtem Transfer — beides Standard im aktiven Markt der RIPE-Region.

Die praktische Bilanz

Eine Verfügbarkeitskarte ist ein Entscheidungswerkzeug, kein Bild. Lesen Sie die Widersprüche, eliminieren Sie die Fehlalarme — dann haben Sie eine Pipeline: stiller Block → verifiziertes Inventar → Angebot. Während AI-, IoT- und VPN-Betreiber die Nachfrage treiben und jede freie Adresse längst vergeben ist, versteckt sich das verbleibende Angebot im stillen Raum der Karte. --- *Finden Sie registrierten, aber stillen IPv4-Raum auf der IPDORM-Verfügbarkeitskarte — [ipdorm.com](https://ipdorm.com).*